Aus für Studiengang Kommunikationsdesign kritisiert
Zur Schließung des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal kommentiert Björn Gottschalk, Vorsitzender der Remscheider JUSOS:
„Der Vorwurf des Rektors, die Quote der Einschreibungen sei zurückgegangen ist absurd. Natürlich hatte die Einführung der Studiengebühren zur Folge, dass die Gruppe der jungen Menschen die sich ein Studium leisten können kleiner geworden ist. Das betrifft jedoch alle Studiengänge gleichermaßen und ist ein Versäumnis der schwarz-gelben Landesregierung.“
Die wirtschaftlichen Maßstäbe die seitens der Bergischen Universität offenbar angelegt werden bedeuten einen Rückgang für die Qualität der
Lehre. Ein Studiengang der Wert auf individuelle Förderung und die Entwicklung kreativer Persönlichkeiten ausgelegt ist, produziert einen Wert der nicht gemessen werden kann wie eine Notierung an der Börse.
Pressemitteilung der SPD
Mit Unverständnis reagiert Lothar Krebs, Vorsitzender der SPD Remscheid, auf die geplante Schließung des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal: “Der international renommierte Studiengang ist das Herzstück der Kreativ-Branche im bergischen Städtedreieck. Er ist für unsere Region kulturell und auch wirtschaftlich unersetzlich. Zahlreiche Unternehmensgründungen und Kooperationen mit den Kommunen und Institutionen im Bergischen zeugen von seiner Produktivität. Ein Umzug nach Essen wäre ein herber Schlag für das Bergische Land”. Für den Industriestandort Remscheid, wo Innovation, Gestaltung und Kommunikation eine wichtige Rolle für den Markterfolg spielen, sei ein ortsnahes, hochqualifiziertes Studium unverzichtbar. “Die Universität tut anscheinend alles, um den Kontakt zur Region und den hiesigen Unternehmen auf ein Minimum zurückzufahren”, so Krebs weiter. Der Rektor der Bergischen Universität Wuppertal hatte am 14. Juli die Schließung des Studiengangs verkündet. Noch im Juni war er nach der Umstellung zum BA-Studiengang mit hervorragenden Ergebnissen akkreditiert worden. Der Sprecher des Studiengangs, Prof. Hans Günter Schmitz, kündigte an, ohne Unterstützung der Universität und der Region ein Kompetenzzentrum für Kommunikationsdesign in Essen errichten zu wollen.
Pressemitteilung der Stadt Remscheid
Sehr geehrter Herr Professor Schmitz, mit großer Besorgnis habe ich Kenntnis erlangt von der beabsichtigten Schließung des Studienganges Kommunikationsdesign an der Bergischen Universiät Wuppertal. Diese Ankündigung verwunderte mich um so mehr, als dass auf Seite 10 der mir vorliegenden aktuellen Ausgabe des Uni-Magazins der Rektor Ihrer Hochschule in Zusammenhang mit der erfolgreichen Akredittierung des Bachelor-Studiengangs Kommunikationsdesign bei der AQAS Bonn wie folgt zitiert wird: „Ich bin sehr erleichtert über den schlussendlichen Erfolg unserer Anstrengungen. Endlich hat dieser zukunftsträchtige Studiengang seine gesicherte Grundlage!“ Diese klaren Worte verstehe ich als Bekenntnis der Hochschulleitung zum Studiengang Kommunikationsdesign, der auch von jungen Remscheiderinnen und Remscheidern besucht wird und den es im Bergischen Land zu erhalten gilt.
Kommunikationsdesign blickt auf eine lange Tradition im Bergischen Land zurück. Der in Remscheid geborene Künstler Gerd Arntz begründete gemeinsam mit Otto Neurath die Wiener und Amsterdamer Schule und legte damit die Grundlage für eine moderne Bildsprache, ohne die unsere Welt nicht mehr vorstellbar wäre. In diesem Geiste muss sich das Bergische Land als eine Ideeschmiede verstehen. Im besten Sinne also als eine Heimat des Entdeckens, Erfindens und Entwerfens, die mit Qualität, Tradition und Innovation für sich überzeugen kann. Die beabsichtigte Schließung des Studienganges Kommunikationsdesign steht hierzu meiner Meinung nach im Widerspruch, verlieren wir in der Bergischen Region doch ohne Not ein Alleinstellungsmerkmal.
Ich appelliere an die Hochschulleitung und alle Beteiligten, im Sinne der Aufrechterhaltung des bestehenden Studiengangs zu wirken. Ich bitte alle Hochschullehrer des Studiengangs darum, an der Hochschule zu verbleiben, wir können es uns nicht leisten, ihr Wissen und Können an andere Einrichtungen und Universitäten außerhalb unserer Region zu verlieren. Es zeugte von Kreativität und Gestaltungswillen, wenn es gelänge, die Schließung des Studiengangs Kommunikationsdesign abzuwenden und diese Debatte nicht einem Abgesang sondern einem Aufbruch gleichkäme. Die Remscheiderinnen und Remscheider haben großes Interesse an einem derartigen Aufbruch, für dessen Moderation mit Sicherheit auch meine Amtskollegen in Wuppertal und Solingen gemeinsam mit mir zur Verfügung stehen werden. Selbstverständlich stehe auch ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Beate Wilding”
Das Schreiben wurde gleichfalls dem Rektor der Bergischen Universität Wuppertal, Herrn Prof. Dr. Lambert T. Koch, übersandt.
Eine Petition erreicht ihr unter:
http://www.ipetitions.com/petition/uniwtal_kd/
Weitere Stimmen zur Schließung:
http://kdwpt.de/2009/07/kd-wird-eingestellt-reaktionen/
Mich wundert es, dass der Studiengang eingestellt wurde. Meines Wissens nach gab es einen doch relativ hohen Andrang. Ein Freund von mir wurde beispielsweise dieses Jahr abgelehnt. Gibt es sonst Argumente, außer dass “die Quote der Einschreibungen zurückgegangen” sei?
„Ich bin nur wegen des Studienganges nach Wuppertal gekommen. Nach meinem Studium habe ich hier
auch wegen der Vielzahl guter Arbeitskräfte, die aus der Uni erwachsen, mein Unternehmen angesiedelt.
Außer dem exzellenten Studiengang, Pina Bausch und der Schwebebahn war Wuppertal für mich ein weißer
Fleck auf der Landkarte. Soll jetzt nur noch die Schwebebahn bleiben?
Wie kann man so leichtsinnig Stärken schwächen? Wuppertal ist ein Standort des „Denkens in Alternativen“.
Es ist unverantwortlich, so ein Profil aufzugeben, das andere Städte mühsam erlangen wollen. Warum soll
mein Unternehmen noch hier bleiben? Sollen wir warten, bis wir unter Denkmalschutz gestellt werden?“
Dipl.-Des. Christian Boros, BOROS Agentur für Kommunikation, Wuppertal/Berlin/New York
„Da wird eine wichtige Kulturschmiede plattgewalzt!“
Prof. Niklaus Troxler, Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
„In unserem Unternehmen arbeiten Kommunikationsdesigner – als feste, als freie, während ihrer Ausbildung.
Der Studiengang KD in Wuppertal ist für uns ein Standortvorteil und für die Stadt ein Aushängeschild mit
Sternchen. Es fällt uns schwer, bei unseren Kunden in ganz NRW für Wuppertal zu werben, wenn die Stadt
ihrem provinziellen Ruf auch noch gerecht wird. Fehler sind nicht schlimm, wenn man sie erkennt und sein
Handeln revidiert.“
Jan Federmann, FKK .design gmbh, Wuppertal
„Angesichts einer unübersehbaren Flut von prosperierenden privaten Ausbildungsanstalten, denen
in der Regel eine qualitative Ausbildung so fern ist wie Voyager 1 der Erde, finde ich es erschreckend,
im Angesicht des anwachsenden kompetitiv-opportun orientierten Gestalterbreis, zu kapitulieren.“
Diplom-Designer Peter Zizka, Heine/Lenz/Zizka, Frankfurt
„Ich habe in meiner Funktion als Leiter Brand Management der MAN SE oft erfolgreich mit Absolventen
zusammengearbeitet. Vielfalt in der Bildungslandschaft ist wichtig.“
Hartmut Sander, Leiter Brand Management MAN SE , München
„Einer kleinen Gruppe zu gestatten, das Falsche zu tun, darf nicht zur Verödung einer kulturellen Landschaft
führen. Gute Gestaltung muss in Wuppertal bleiben.“
Prof. Bernard Stein, Archiv für Historische Abbildungspraxis und Kunsthochschule, Kassel/Berlin
„die reduzierung von bildungsangeboten (zumal erfolgreichen, mit anerkannt hoher qualität)
ist besonders in wirtschaftlich problematischen zeiten ein falsches zeichen!“
Prof. Detlef Fiedler, Alliance Graphique International, Berlin
„Eine Stadt wie Wuppertal, die im Laufe der Jahre immer mehr an Attraktivität eingebüßt hat und aus der
daher viele junge qualifizierte Arbeitskräfte in die Oberzentren abwandern, kann nur eines tun, um dies
aufzuhalten: einen Studiengang, der eines der universitären Aushängeschilder der Stadt ist, erhalten!“
Dirk Michael Häger, mina k film, Wuppertal
„Auch wenn der Studiengang an Format und die Studierenden an Power und Einfluss auf das kreative
Treiben unserer Stadt verloren haben, so wäre es ein Armutszeugnis für die Uni, die Stadt und ein weiteres
trauriges Szenario des öffentlichen Wuppertals, die Lebensqualität durch den Abbau kreativer Angebote zu
schmälern. Die Design-Abteilung ist ein Tool unserer Stadt, kreatives Leben zu leben und zu erhalten.“
Frank Charles Petersohn (Musiker), Wuppertal
„Internationales Design aus Wuppertal muss weiter gefördert und ausgebaut werden!
Aus meiner eigenen internationalen Erfahrung kann ich Ihnen nur Gutes über den Ruf der Studiengänge
Design an der Bergischen Universität Wuppertal berichten.“
Dipl.-Des. Volker Kraft, Velbert
„Ein Schlag ins Gesicht der Wuppertaler Designszene. Die Verarmung Wuppertals schreitet voran,
und die Folgen werden wir alle zu spüren bekommen …“
Udo Kowalski, Fotodesigner, Wuppertal
„Der Studiengang Kommunikationsdesign in Wuppertal hat mit seinen Lehrenden einen guten Ruf.
Die Entscheidung, diesen Studiengang zu schließen, sollte in Zeiten, in denen Deutschland eher
von seinen Ideen denn von der Industrieproduktion lebt, unbedingt rückgängig gemacht werden.“
Prof. Henning Wagenbreth, Universität der Künste Berlin
„Wir sind Arbeitgeber im Kommunikationsdesign, und Wuppertal braucht diesen Studiengang, um unserer
Branche von Anfang an eine Basis in dieser Stadt zu geben. Wuppertal ist ein Designstandort nur mit der
BUGH und dem Studiengang KD!“
Dipl.-Des. Jens Albrecht, bap GmbH, Wuppertal
„Während meiner Zeit in Wuppertal, in den 80er- und 90er-Jahren, habe ich im Kontakt mit Industrie und
Handwerk erfahren, wie bewusst den Wuppertalern die Orientierung ist, die sie durch ihre renommierte
Gestalterschmiede erfahren. Der Fachbereich Design hat in Wuppertal eine lange Tradition und muss auch
für die Zukunft als wichtiger Faktor für die Kultur der Region gestärkt werden!“
Alexander Burkhalter, heile Welt Designbureau, Düsseldorf
„Wuppertal hat schon genug Imageprobleme und voraussichtlich eine wirtschaftlich düstere Zukunft. Neben
dem einzigartig schrägen Charme aus der Mischung und den Gegensätzen von Versatzstücken ruhmreicher
Historie und architektonischen Todsünden, Schönheit und schleichendem Verfall ist die Kultur und geballte
Kreativität in dieser Stadt stark mitverantwortlich dafür, dass man sich hier trotz allem sehr wohl fühlen kann.
Mit der ungewissen Zukunft des Tanztheaters, der Diskussion um das Sinfonieorchester nun auch noch die
geplante Schließung des Studiengangs KD -– das bedeutet die absolute Selbstverstümmelung Wuppertals.
Wie viele kreative Köpfe werden in Zukunft wohl nicht mehr nach Wuppertal kommen und die Stadt
bereichern?“
Dipl.-Des. Ingo Geiger, Wuppertal
„Der Studiengang Kommunikationsdesign in Wuppertal hat mit seinen Lehrenden einen guten Ruf.
Die Entscheidung, diesen Studiengang zu schließen, sollte, in Zeiten, in denen Deutschland eher
von seinen Ideen, denn von der Industrieproduktion lebt, unbedingt rückgängig gemacht werden.“
Prof. Henning Wagenbreth, Universität der Künste Berlin
„Der Studiengang Kommunikationsdesign stärkt die Region nachhaltig: Er bereichert das Leben
in Wuppertal. Er lockt junge Talente an, von nah und fern. Er sorgt für kreativen, kulturellen Mehrwert
in der Stadt. Er sichert dauerhaft zahlreiche Arbeitsplätze; an der Universität, in der Werbe- und Medienindustrie,
in den abhängigen Firmen, im Handel. Er sorgt durch die exzellente Ausbildung und den Ruhm
der Absolventen für einen ausgezeichneten Ruf der Universität und der Stadt. Mit einer möglichen
Schließung des Studiengangs Kommunikationsdesign verwehrte man sich ungeahnter sozialer,
wirtschaftlicher und kultureller Potenziale.“
Dipl.-Des. Arne Brennecke, Wuppertal
„I would deeply regret any interruption in the existence of the department
and the consequences for the future of the students.“
Ben Bos, Graphic designer, formatie2 design, Heemstede/Netherlands
„Vieles wäre austauschbar, aber einen Lehrstandort zu schließen, der Kommunikation fördert
und ästhetisiert, ist absurd. Insbesondere für eine Stadt, die zunehmend an Profil und Kultur verliert.
Statt die Alleinstellungsmerkmale zu nutzen und im Sinne aller auszubauen, wird weiter demontiert. Danke.“
Dipl.-Des. Roland Cölln, cölln.company design agentur, Wuppertal
„Wird dieser Studiengang eingestellt, verliert Wuppertal einen Zukunftsstudiengang!“
Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Kappler, Universität Innsbruck
„Es ist aus französischer Sicht unverständlich, warum das Designland Deutschland
seinen historischen Vorsprung verringern will.“
Malte Martin, AFD, Paris/Frankreich
Stellungnahme der Studierenden:
http://www.wirsindkd.de/material/studierenden-stellungnahme-31-07-2009.pdf
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